Seit 2020 findet (mit einem Corona-Ausnahme-Jahr) die Saatgut-Tauschbörse in Kempen-St. Hubert an einem Sonntag im Winter statt. Seit 2023 übernahm der ER Kreis Viersen die Organisation, die Jennifer in den Jahren zuvor über den St. Huberter Heimatverein organisiert hatte. 2026 fand die Aktion zum Start des Gartenjahres also schon zum fünften Mal statt und wird von immer mehr Besucher*innen genutzt!
Wie läuft die Tauschaktion ab?
Am besten hat man im vergangenen Sommer eine samenfeste Gemüse- oder auch Zierpflanzensorte in seinem Garten stehen gehabt, hat sie blühen lassen und dann im Herbst die Samen "geerntet". Oft passiert es, dass man, wenn man einmal die Pflanzen hat sich aussamen lassen, jede Menge Saatgut hat - so viel, dass man es gar nicht selbst alles benutzen kann. Das kann man dann noch ein bisschen von Spelzen reinigen und lässt es nun gut trocknen, bevor man sie in einer Tüte, am besten aus Papier, trocken und dunkel aufbewahrt. Briefumschläge sind hierfür auch gut geeignet. Papier ist nicht ganz wasserdicht, und so beugt man Schimmel vor, der in Plastiktüten oder Schraubdeckelgläsern auftreten kann, wenn das Saatgut doch nicht 100%ig trocken ist.
Für die Tauschbörse bringt man nun entweder die große Tüte oder das Glas, beides beschriftet mit Namen und Erntejahr, mit. Und am besten noch ein paar kleinere, noch umbeschriftete Tüten oder andere Behälter. Oder man füllt eine gute Menge des Saatguts in mehrere kleine, schon fertig beschriftete Tüten um - das ist die Luxusvariante. Auf der Börse gibt es nun verschiedene Stationen, zum Beispiel "Blumen", "Kräuter" oder "Blattgemüse". Hier sortiert man das mitgebrachte Saatgut ein und kann nun nach Herzenslaune stöbern und schauen, was die anderen Teilnehmer*innen so alles beigesteuert haben. Besonders toll sind die Gespräche, die hier am Tausch-Tisch entstehen: Man spricht über Lieblingssorten, gute Standorte und Tricks beim Ziehen der Pflanzen, vor allem Aussaat- und Pikiertermine sind hier gefragt. Meistens verlässt man dann die Tauschbörse mit mehr, als man beigesteuert hat, so soll es sein! Irgendwo im Garten wird sich wohl ein Plätzchen finden.
An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass natürlich auch Besucher*innen ohne eigenes Saatgut herzlich willkommen sind. Einfach ein paar leere Tütchen eingepackt und fertig. In diesem Fall freut sich der ER über eine kleine Spende.
Was passiert drumherum?
Neben dem langen "Tausch-Tisch" können die Besucher*innen sich die Karte der umliegenden Hofläden anschauen und neue Bauernläden entdecken, die mal angesteuert werden wollen. Daneben informiert der ER über seine Tätigkeit generell, die nächsten Aktionen - und weitere Saatgut- und Pflanzentauschbörsen in der Region. Zum Mitnehmen gibt es oft kleine Einkaufshelfer, die ins Portemonnaie passen und verraten, welches Obst und Gemüse in unserer Gegend gerade Saison hat. Daneben darf man sich das Heimatmuseum St. Huberts, das Weberhaus, anschauen. Besonders interessant sind hier der Webstuhl und die alten Küchen-Gerätschaften wie Bohnenschneider oder antike Waffeleisen. In der "Knippenstuv" wird zum gemütlichen Zusammensein eingeladen, meist gibt es den jeden Jahr neu kreierten "Gartentee" aus Jennifers Garten, der wärmt schön!
Samenfest? Was ist das?
"Samenfest" bedeutet, dass die genetischen Eigenschaften einer Pflanze, z. B. Farbe, Geschmack, Größe, Erntezeitpunkt, Blütenfarbe und -form oder auch Resistenzen gegen Krankheiten, in der nächsten Generation beibehalten werden. Historische und ökologisch gezüchtete Sorten sind meist samenfest. Andere Namen hierfür sind "sortenrein" oder "nachbaufähig".
In der moderneren Pflanzenzüchtung ist man jedoch in den meisten Fällen dazu übergegangen, "hybrides" Saatgut aus zwei sehr unterschiedlichen Elternpflanzen zu züchten. Das bedeutet, dass die Nachkommen dieser Pflanzen nicht unbedingt dieselben Eigenschaften haben wie die Eltern. Manchmal sind solche Samen sogar steril und können gar nicht weitervermehrt werden. Saatgut, das hybrid ist, muss mit "F1" (für Tochter, also Filialgeneration 1) gekennzeichnet sein. Hybrides Saatgut und neuerdings auch genetisch verändertes Saatgut verdrängt das traditionelle immer mehr und die genetische Vielfalt auf unseren Äckern und in unseren Gärten schrumpft. Also: immer beim Saatgutkauf darauf achten, was auf der Verpackung steht!
Worauf muss ich beim Saatgut-Vermehren achten?
Ein sehe informatives Video zur eigenen Saatgutherstellung gibt's hier.


